Gymnasium Ohmoor Versuchsprotokoll: Die Wirkung von Salzsäure (Klasse 5 / 9 / 12 im Mai 2010) |
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Durchführung:
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In 9 Reagenzgläser werden jeweils 5 Milliliter Salzsäure (10%ig, Vorsicht ätzend!) gegeben. Wir untersuchen die Wirkung auf verschiedene Materialien indem wir Proben dazugeben: 3cm Gummischlauch-Stück, mit dem Spatel etwas Soda (Na2CO3), Kalksteinstücke, schwarzes Kupferoxid-Pulver (umschütteln), Zink-Granalien, Eisennägel, 3cm Magnesiumband, Kupferspäne, Nickelkugeln. Während einer Einwirkzeit von ca. 15 Minuten werden die Beobachtungen notiert. | |
Beobachtung:
geordnet nach der Heftigkeit der Reaktion
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1. Soda bewirkt eine heftige Gasentwicklung bis zum Überschäumen. |
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Klasse 5: Die ätzende Wirkung der Salzsäure zeigt sich darin, dass einige Metalle, Kalkstein und Sodapulver mehr oder weniger schnell gelöst werden. Auch Kupferoxid wird angegriffen und langsam gelöst. Es gibt aber auch Stoffe, die gegenüber Salzsäure beständig sind, wie z.B. Kupfer oder Gummi. | |
Klasse 9: Chlorwasserstoff
bildet im Wasser gelöst Säureionen (Hydroniumionen, H3O+),
die zwei verschiedene Wirkungen zeigen: I. Die Protolyse, das
heißt Säureionen können Protonen auf andere Stoffe übertragen.
Mg + 2H3O+ + 2Cl- ==> Mg2+ + 2
Cl- + H2^ + 2H20 In der Lösung bleibt
Magnesiumchlorid. Das edle Metall Kupfer (8) und der Gummischlauch (9) aus organischem Material (Kohlenwasserstoffverbindung) werden nicht angegriffen. |
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Klasse 12: Salzsäure ist
mit einem negativen pKs - Wert eine starke Säure, praktisch
vollkommen dissoziiert. Carbonationen und Oxidionen haben hohe pKs-Werte,
sind starke Basen, nehmen als Akzeptor Protonen auf. Das
Reaktionsgleichgewicht liegt weit rechts auf der Seite der Endstoffe. Die
Hydroniumionen bilden die schwache, konjugierte Säure "Wasser". Aus
Carbonationen entsteht Hydrogencarbonat und Kohlensäure, beides mit höherem
pKs-Wert. Oxidionen bilden die konjugierte Base Hydroxid, die erneut
protoniert und damit zu Wasser wird. Beide Stoffe haben niedrigere pKs Werte, also
geringere Basizität. Die frei werdenden Kupfer-(II) Ionen aus Kupferoxid
bilden mit Chloridionen eine grünen Chloro-Komplex, der Licht
selektiv absorbieren kann. Hydroniumionen haben ein
Standardelektrodenpotential von Null Volt. (Hier etwas mehr, weil die
Säure mehr als ein molar stark ist) Alle Stoffe der Spannungsreihe mit
negativen Potential, also die unedlen Metalle werden oxidiert. Die
reduzierten Protonen entweichen als Wasserstoffgas. Das
Oxidationspotential von Kupfer ist mit +0,35Volt zu hoch für Säureionen.
Es ist ein Edelmetall, daher keine Umsetzung. |
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Ergebnis:
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Salzsäure hat keine pauschal alle Stoffe ätzende Wirkung. Das kann schon im Chemie-Technik Unterricht der Klasse 5 erkannt werden. Mit fortschreitenden Kenntnissen bieten die einfachen Versuche bis zur Oberstufe immer anspruchsvollere Möglichkeiten der Deutung der chemischen Hintergründe. |
© C.-J.Bautsch 5.02.2019 |